Da sage noch einer, dass der Kapitalismus US-amerikanischer Prägung in der Krise sei. Mindestens einer wird dies mit Verweis auf sein frisch gefülltes Bankkonto berechtigterweise abstreiten: Elon Musk. Er weitet seinen Vorsprung im Rennen der Phantastrilliardäre aus, Dagobert Duck erblasst vor Neid.
Die deutschen Leitmedien durchfährt ein wohliges Schaudern, wenn sie über den Rekordbörsengang von Musks SpaceX Weltraum-/ Raketen- und Satellitenklitsche berichten. 75 Milliarden US-$ seien am 12. Juni eingeworben worden, betonen sie ehrfürchtig. Da mag der Chef ein Faschist erster Güte sein – egal. Da mag die Besitzkonstruktion der Firma, unabhängig von der verkauften Anzahl an Aktien, allein auf Musk zugeschnitten sein – egal. Viel wichtiger ist den Berichterstattern doch, dass er jetzt der erste Mensch auf Erden ist, dessen Besitz mehr als 1000 Milliarden US-$ beträgt. Dass Milliarden von Menschen ohne Vermögen oder mit Schulden existieren müssen – auch das ist und bleibt in diesem System egal.
Das kapitalistische System richtet nicht nur geistige Verwüstungen an. Andere kommen dazu. So erweisen sich Kriege offen und unverblümt als Mittel zur Steigerung der Profite. Der zurzeit regierende US-Präsident, dessen Entourage und der Regierungskumpan Netanjahu aus Israel verdienen sich (mit „Insiderwissen“) Milliarden an der Börse, am beschlagnahmten oder einfach gestohlenen Erdöl. Sie verdienen Milliarden an Millionen menschlicher Opfer, die Herrschaft des Kapitalismus ist zur Herrschaft der Kapitalisten (nicht zu vergessen, auch der Kapitalistinnen) geworden. Die hässliche Fratze ist eine gewöhnliche, weit verbreitete Erscheinungsform der Gegenwart.
Wir wollen und werden weiterhin unseren kleinen Beitrag leisten, dass die Systemfrage auf die Tagesordnung kommt. Denn da gehört sie hin.
Unser Münchener Seminar war erneut ein wichtiger Bezugspunkt, wo sich Arsti-Mitglieder und uns nahestehende GenossInnen austauschen konnten. Die Themen waren breit gefächert und an der unmittelbaren Aktualität ausgerichtet. Aspekte der deutschen Politik standen an beiden Tagen zur Debatte. Die sozialpolitischen Veränderungen in Deutschland stellten einen Schwerpunkt dar, noch wichtiger die notwendige Gegenwehr und die bisher sehr mickrige Rolle, die die Gewerkschaften einnehmen.
Eine „Neuaufstellung“ politischer Prämissen erlebt, trotz kleinerer Rückschläge, auch die Frage, inwieweit Deutschland die eigene Forderung nach Multipolarität in der Welt ausfüllen will. Die Schlüsselrolle, die das Konzept Europa dabei spielt, steht im Mittelpunkt. In diesem Zusammenhang wird auch die Aufrüstungsmanie in Deutschland kritisch gewürdigt.
Der Blick auf die internationale Lage hatte sehr rasch seinen Schwerpunkt gefunden: den Krieg gegen den Iran. Daraus entstanden zwei Beiträge in dieser Nummer: einmal die Situationsbeschreibung der Kriegslage selbst, soweit die spärlichen Einblicke dies zulassen. Zum zweiten eine kurze Darstellung des iranischen Atomprogramms, das offiziell als ein wesentlicher Kriegsgrund ausgerufen worden war. In der Folgenummer der Arbeiterstimme im Herbst werden wir das Gesellschaftssystem der Islamischen Republik näher betrachten.
Die Rechtsentwicklung in Südamerika wurde mit dem wichtigen Hinweis versehen, dass sie nicht einheitlich erfolgt. Neben manchen Gegentendenzen sieht der Referent die Durchsetzung rechter Regierungen der Auseinandersetzung der USA mit China im mittel- und südamerikanischen Raum untergeordnet. In dieser Nummer wird der aktuelle Rechtsruck bei den chilenischen Präsidentschaftswahlen dargestellt. Damit ist die zweiteilige Artikelfolge zu diesem Thema abgeschlossen.
Das Regime der Mullahs sollte beseitigt werden. Jetzt sieht es aber so aus, dass das Regime Starmer in Großbritannien noch schneller fällt. Darum, kurz vor Schluss noch eine kurze Bestandsaufnahme der Regierung Starmer nach dem Labour-Untergang bei den britischen Regionalwahlen.
Unsere Rubriken Buchbesprechungen und Diskussionen sind dieses Mal gut gefüllt. Eine Besprechung der „Matrix der Arbeit“, einem wichtigen Standardwerk des Instituts für die Geschichte und Zukunft der Arbeit, das eine umfassende Datensammlung zum Thema bereitstellt, weist zu Recht auf deren Bedeutung für die Analyse hin.
Zur Besprechung der Untersuchung des Antisemitismus-Begriffes in der letzten Nummer gibt es eine Reaktion aus der Leserschaft.
Die Frage nach dem Klassencharakter der deutschen Revolution nach dem Ersten Weltkrieg, die bereits eine Zuschrift auslöste, wird dieses Mal mit zwei weiteren Wortmeldungen ergänzt.
Vor einigen Tagen verstarb Jean Ziegler in Genf. Wir haben seine Arbeit sehr geschätzt, weil er einer der wenigen war, der – trotz aller sonstigen Unterschiede – nie aus dem Auge verloren hat, was das Grundübel der Gegenwart darstellt: das kapitalistische System. Als UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung lastete er zu Recht jeden verhungernden Erwachsenden, jedes vor Hunger sterbende Kind dem Kapitalismus an, der einerseits die technischen und sonstigen Mittel für ein auskömmliches Leben aller bereitstellen kann, andererseits davon profitiert, dass er über 10% der Weltbevölkerung diese Lebensmittel vorenthält. Mit großem Respekt vor seiner Lebensleistung nehmen wir Abschied.
Es bleibt dabei: wir sind davon überzeugt, dass unsere Positionen, die wir uns erarbeiten, für eine linke Bewegung in Deutschland, wenn es sie einmal geben wird, Denkanstöße und Hilfestellungen anbieten können. Deshalb bitten wir Euch, Leserinnen und Leser, uns zu helfen, unser Projekt weiterhin zu verfolgen. Der beiliegende Überweisungsträger sollte alle noch einmal an die Dringlichkeit erinnern, uns finanziell zu unterstützen.
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