Die Befreiung der Arbeiterklasse muss das Werk der Arbeiter selbst sein!
Arbeiterstimme
Zeitschrift für marxistische Theorie und Praxis
Die Niederlage der spanischen Republik 1939 war eine Niederlage für die spanische und internationale Arbeiterbewegung und ist bis heute Thema ungezählter Bücher.
Die Aufsätze in dem vorliegenden Buch sind erstmalig in der Arbeiterstimme in den Ausgaben September 1986 bis Oktober 1987 veröffentlicht und später in einer Broschüre zusammengefasst worden.
Das politische Umfeld, in dem der Westen als Ganzes steht, hat sich während des letzten Jahrzehnts einschneidend verändert. Die politische Klasse in Deutschland hat lange Zeit darauf nur reagiert, selbst wenn unablässig getrommelt wird: „wir“ müssen uns selbst verteidigen, „wir“ müssen ein Player werden, der von den anderen Machtzentren der Welt respektiert wird. Si vis pacem, para bellum. [Wenn du Frieden willst, bereite (dich auf) den Krieg vor.] Der Grundsatz der alten Römer, der -nebenbei bemerkt- schon in der Antike eher suboptimal funktioniert hat, erlebt eine weitere Wiedergeburt unter dem zeitgemäßeren Diktum, man dürfe nicht mehr naiv sein und müsse sich der neuen Realität stellen. Denn der Feind stehe, wie soll es anders sein, im Osten und warte nur auf die Schwäche und Uneinigkeit Europas. Dann komme er, der Russe, und mache unserer Freiheit und Demokratie den Garaus.
Weiterlesen: Deutschland in der Führungsrolle für Europa: die neue Multipolarität?
Nach dem Sturz des Schahs wandelte sich der Iran sehr schnell vom Verbündeten der USA zu einem ausgesprochenen Gegner. Bereits 1979 eskalierten die Beziehungen der beiden Länder wegen der Geiselnahme des US-Botschaftspersonals in Teheran auf spektakuläre Weise. Die gegenseitige Feindschaft blieb seitdem eine Konstante der Weltpolitik, genauso wie die Feindschaft des Iran zu Israel. Die USA gelten als der große Satan, Israel als der kleine. Umgekehrt ist der Iran für die USA ein Schurkenstaat.
Der Iran hat immer mit Nachdruck erklärt, dass er keine Atomwaffen anstrebt. Aber offizielle Erklärungen müssen sich nicht mit der Realität decken. Bekanntlich wurde und wird genau das dem Iran vorgeworfen. Er wird zum Teil verdächtigt bzw. massiv beschuldigt, im Geheimen doch nach der Atombombe zu streben.
Im ersten Teil dieses Berichts stand das Agieren der rechten Kräfte im Mittelpunkt. Jetzt wird die Bündnispolitik zwischen den einzelnen Bestandteilen der Mitte und des linken Flügels der Gesellschaft betrachtet. Das kann nicht losgelöst vom Desaster geschehen, das der sozialen Explosion des Jahres 2019 gefolgt ist und den Handlungsspielraum der Regierung Boric bestimmte.
Zur Beschreibung der Situation nach einem Jahr GroKo folgen zwei Auszüge von Kommentaren, einer aus der Wochenzeitung „der Freitag“ und einer aus der Tageszeitung „Nürnberger Nachrichten“. Die Kommentatoren schreiben:
Schlimme Bilanz, miese Werte
„… die Bilanz, die nach einem Jahr Merz-Regierung gezogen werden muss, ist ernüchternd: Im Mai 2025 übernahm das Kabinett von Friedrich Merz (CDU) die Macht in Deutschland, aber vorangebracht hat es die Republik an keiner Stelle. Steuerpolitik, Digitalisierung, Rentenpolitik, Wirtschafts- und Energiepolitik, Politik für Familien, den Naturschutz, Wohnraum, Verkehr oder das Klima. Nach zwölf Monaten gibt es nirgendwo Gesetzesänderungen, die die deutsche Gesellschaft vorangebracht oder wenigstens verändert haben.“ (Nick Reimer, der Freitag, 7.5.2026)
Weiterlesen: Ein Jahr Große Koalition und Angriffe auf den Sozialstaat
Am 5. Mai fanden in einigen Teilen Großbritanniens Wahlen zu Stadträten und in Bezirken (Countys) sowie für die Regionalparlamente von Wales und Schottland statt. Die Ergebnisse führten zu einer völlig neuen Lage: Sowohl die Tories als auch die Labour Party erlitten schwere Niederlagen, während vor allem die Rechtspopulisten von Reform UK und die linken Grünen einen Durchbruch schafften.
Weiterlesen: Die Wahlen in Großbritannien verursachen einen Schock
Da sage noch einer, dass der Kapitalismus US-amerikanischer Prägung in der Krise sei. Mindestens einer wird dies mit Verweis auf sein frisch gefülltes Bankkonto berechtigterweise abstreiten: Elon Musk. Er weitet seinen Vorsprung im Rennen der Phantastrilliardäre aus, Dagobert Duck erblasst vor Neid.
Die deutschen Leitmedien durchfährt ein wohliges Schaudern, wenn sie über den Rekordbörsengang von Musks SpaceX Weltraum-/ Raketen- und Satellitenklitsche berichten. 75 Milliarden US-$ seien am 12. Juni eingeworben worden, betonen sie ehrfürchtig. Da mag der Chef ein Faschist erster Güte sein – egal. Da mag die Besitzkonstruktion der Firma, unabhängig von der verkauften Anzahl an Aktien, allein auf Musk zugeschnitten sein – egal. Viel wichtiger ist den Berichterstattern doch, dass er jetzt der erste Mensch auf Erden ist, dessen Besitz mehr als 1000 Milliarden US-$ beträgt. Dass Milliarden von Menschen ohne Vermögen oder mit Schulden existieren müssen – auch das ist und bleibt in diesem System egal.
Ein Genosse aus Göttingen weist uns auf ein interessantes Projekt bzw. Buch hin, das umfangreichen Materialien zur Geschichte und Zukunft der Arbeit bietet.
Er schreibt dazu;
In ihrer Abhandlung „Deutsche Ideologie“ von 1846 bemerkten Marx/Engels, dass „je mehr die ursprüngliche Abgeschlossenheit der einzelnen Nationalitäten (…) vernichtet wird, desto mehr wird die Geschichte zur Weltgeschichte. (...) Hieraus folgt, dass diese Umwandlung der Geschichte (…) nicht etwa eine bloße abstrakte Tat (...) des Weltgeistes ist, sondern eine ganz materielle, empirisch nachweisbare Tat, eine Tat, zu der jedes Individuum, wie es geht und steht, isst, trinkt und sich kleidet, den Beweis liefert.“
Unter welchen Umständen die Reproduktion des menschlichen Lebens, insbesondere seit 300 000 Jahren, stattfand, liefert die auf 447 Seiten geratene 'Kurzfassung' der Materialien zur Geschichte und Zukunft der Arbeit reichhaltiges Material. Es geht über vier Epochen, angefangen bei der Wildbeutergesellschaft , über Agrikulturgesellschaften mit hierarchisch-feudaler Ausprägung und den Übergang durch Märkte und Kaufmannskapital hin zur kapitalistischen Marktwirtschaft. Begleitet von einer Fülle an bekräftigenden Schaubildern, Grafiken und Tabellen ist diese Publikation des Dietz-Verlags bestens geeignet, aus dichtester historischer Kenntnis heraus zukünftige Trends zu erkennen, unter denen z.B. eine allgemeine 30-Stunden-Woche greifbar, wenn nicht notwendig erscheint.
Ist es nicht eine eher kurze Sicht, die derzeit in vordergründiger Empörung über Gewalt und Unrecht innerhalb einer sich „links“ wähnenden Szenerie den Blick auf wesentliche Tendenzen vermissen lässt? Dieser Buchtitel kann helfen, weiterführende Ansatzpunkte emanzipatorischer Bestrebungen zu erkennen, somit Geschichte bewusster selbst zu machen.
Die Materialien wurden von „Institut für die Geschichte und Zukunft der Arbeit“ (IGZA) erarbeitet. Das IGZA wird von einer gemeinnützigen Stiftung getragen, die vom Gewerkschafter Horst Neumann gegründet wurde. Horst Neumann war unter anderem auch Arbeitsdirektor bei mehreren großen Firmen.
Die Kurzform ist als Buch im Verlag J.H.W. Dietz Nachf., Bonn erschienen:
Matrix der Arbeit, Bonn 2024, 447 Seiten, 24 Euro
Im Internet findet sich eine wesentlich umfangreichere Version (7 Bände), die als PDF auch allgemein verfügbar ist.
https://www.igza.org/projekt/matrix-der-arbeit/
Leserbrief zu:
Arbeiterstimme Nr. 231 / S.29
„Antisemitismus, früher ein Kampfbegriff gegen die Diskriminierung und Entrechtung der Juden, einer bedrängten und schwachen Minderheit, ist zu einem Schild zur Abwehr von Kritik an Israels Politik geworden, eines Staates, […] der heute ein anderes Volk unterdrückt und entrechtet.“ Dieser Satz stammt aus einem neuen Buch von Georg Auernheimer. [Arbeiterstimme Nr.231]
Auernheimers These — wie er sie in „Zweierlei Antisemitismus: Staatsräson vor universellen Menschenrechten?" (PapyRossa, August 2025) entfaltet — trifft auf einen realen Missstand, enthält aber auch eine problematische Verkürzung. Beides verdient Beachtung.
Der Kern des Arguments ist nicht neu, aber berechtigt: Es gibt tatsächlich eine inflationäre Ausweitung des Antisemitismusbegriffs, bei der jede Israel-Kritik reflexartig als antisemitisch eingestuft wird. Auernheimer selbst warnt davor, wie ein „israelbezogener Antisemitismus" zur Einschränkung von Grundrechten instrumentalisiert wird.
Das ist empirisch belegbar — Redeverbot für Künstler, Absage von Veranstaltungen, Entlassung von Wissenschaftlern. Wenn der Begriff als politisches Repressionsinstrument eingesetzt wird, beschädigt das paradoxerweise den Kampf gegen den echten Antisemitismus. Zudem ist historisch korrekt, dass der Begriff ursprünglich tatsächlich ein Abwehrbegriff war — geprägt von dem Anarchisten Wilhelm Marr* 1879, zunächst als Selbstbezeichnung der Judenhasser, später umgedeutet. [*Marr, Wilhelm – Der Sieg des Judenthums über das Germanenthum, Bern 1879.]
Der Satz, von Georg Auernheimer, enthält aber eine strukturelle Asymmetrie, die ich nicht unkommentiert lassen möchte. Er stellt zwei Zustände einander gegenüber — früher eine schwache, verfolgte Minderheit; heute ein unterdrückender Staat — als wären das unverbundene, substituierende Realitäten. Das lässt mehrere Aspekte aus:
Erstens: Die Juden, die heute in Tel Aviv leben, sind nicht dieselben wie die, gegen die sich der historische Antisemitismus richtete — aber sie sind auch nicht einfach an deren Stelle getreten. Die Verbindung zwischen beiden ist keineswegs aufgelöst und sie ist komplex.
Zweitens: Auch wenn man Israels Politik in Gaza scharf verurteilt — und es gibt gewichtige völkerrechtliche Gründe dafür —, bleibt Antisemitismus in Europa als unabhängiges Phänomen real und bedrohlich. Jüdinnen und Juden in Deutschland berichten z.B. über massive Anfeindungen, Diskriminierungen und Ausgrenzungserfahrungen und die Empörung über israelische Kriegsverbrechen kann in „echten" Antisemitismus umschlagen — Ohne entsprechenden Informationshintergrund fällt es Menschen schwer, zwischen Israelis und Juden zu unterscheiden.
Drittens: Die Formulierung „ein anderes Volk unterdrückt" ist politisch präzise gemeint, erzeugt aber sprachlich eine Täter- Opfer Umkehrung, die — auch unbeabsichtigt — genau jene Kurzschlüsse begünstigt, die Auernheimer selbst als problematisch beschreibt.
Auernheimers Hauptdiagnose — dass der Antisemitismusbegriff in Deutschland politisch instrumentalisiert wird und dadurch den echten Antisemitismus eher verschleiert als bekämpft — halte ich für richtig und wichtig.
Die Art, wie er es in diesem Satz formuliert, ist argumentativ zu glatt. Eine dialektisch befriedigende Position müsste beides festhalten: die Realität des fortbestehenden Antisemitismus und die Realität der israelischen Gewalt gegen Palästinenser — ohne dass das eine das andere auflöst oder legitimiert.
Aufklärungsdenken verlangt, beide Seiten einer Aporie auszuhalten, ohne in eine von beiden zu flüchten.
In der Logik von Habermas' Diskursethik ließe sich argumentieren, dass diskursive Verantwortung nicht nur Wahrheit, sondern auch die vorhersehbaren Verwendungsweisen einer Aussage einschließt. Ein Intellektueller, der weiß, in welchem Klima er schreibt, trägt Mitverantwortung dafür, wem er ungewollt Munition liefert.
Das macht Auernheimers Kernthese nicht falsch. Aber es macht diese spezifische Formulierung fahrlässig — gerade von jemandem, der das Thema so genau kennt, wie Auernheimer.
Bruno Fey
85640 Putzbrunn.
Antwort auf den Leserbrief von F/HU in der Arsti Nr. 230 zur Frage der Novemberrevolution
Der Ausgang der Novemberrevolution von 1918/19 stellt sowohl für die deutsche Geschichte als auch für die kommunistische Bewegung ein Schlüsselereignis dar, dessen Folgen bis in die Gegenwart hinein reichen. Insbesondere für Kommunisten wirft das Scheitern immer noch eine Reihe grundlegender Fragen auf.
F/HU von der „Arbeiterpolitik“ hat dazu anlässlich einer Rezension von Emil Berger einen Leserbrief in der jüngsten Ausgabe der „Arbeiterstimme“ (Nr. 230) geschrieben, in dem er sich neben der Frage nach dem Charakter des Kaiserreichs (bürgerlich oder vorbürgerlich) insbesondere mit der Kritik auseinandersetzt, die Heiner Karuscheit an dem Revolutionskonzept Rosa Luxemburgs und der damaligen revolutionären Linken geübt hat. Inhaltlich lässt er sich darauf nicht näher ein, sondern verweist auf die „Betonung der Subjektivität“ durch Luxemburg sowie die „Gluthitze der Revolution“, die durch „die Bücherweisheit eines heutigen Historikers“ nicht erfasst werden könne.