Das militärische Eingreifen in Venezuela kam nicht überraschend. Im Vorfeld erhoben die USA heftige Anschuldigungen, Venezuela sei ein Hauptdrogenlieferant und dies wäre eine terroristische Gefährdung für die USA. Diese Anschuldigungen waren von Anfang an unglaubwürdig und offensichtlich vorgeschoben. Dann folgten erste Militäraktionen mit dem Versenken von echten oder angeblichen Drogenbooten in der Karibik und im Westpazifik. Das US-Militär griff mehr als ein Dutzend Boote mit Raketen an und tötete dabei mindestens 110 Menschen. Es folgte ein Aufmarsch einer beträchtlichen Armada mit Flugzeugträger und sonstigen Schiffen. Der nächste Schritt war dann die Kaperung von Öltankern, um den Abtransport von Öl aus Venezuela zu verhindern.
Gleichzeitig scheint es Kontakte zwischen den USA und Venezuela gegeben zu haben. Mit großer Wahrscheinlichkeit gab es auch ein Telefongespräch zwischen Trump und Maduro. Über dessen Inhalt, über eventuelle Angebote, Forderungen usw. gibt es aber keine zuverlässigen Informationen. Was auch immer da zur Diskussion stand, es wurde keine Einigung erzielt.
Am dritten Januar schlug das US-Militär zu, der Präsident Venezuelas, Nicolas Maduro, und seine Ehefrau wurden gekidnappt und in die USA verschleppt. Bei dieser Militäraktion gab es auf venezolanischer Seite etwa 100 Tote, davon 32 Kubaner.1
Bis dahin verlief alles so, wie es von der USA zu erwarten bzw. zu befürchten war. Der weitere Verlauf war dann etwas überraschend.
Nach der Entführung Maduros wurde die Vizepräsidentin Delcy Rodriguez gemäß der Verfassung zur Präsidentin vereidigt. Dies geschah anscheinend mit der stillschweigenden Zustimmung der USA. Rodriguez ist offensichtlich zu einer Kooperation mit den USA bereit, insbesondere was den Ölsektor betrifft. Gleichzeitig fordert sie aber (nur nach Außen?) die Freilassung Maduros, dieser sei der eigentliche legitime Präsident Venezuelas. Die rechte Oppositionspolitikerin Maria Corina Machado, die die Intervention gutgeheißen und sich maximal angebiedert hatte, fand, zumindest vorerst, kein Gehör bei Trump. Wie sich die Lage längerfristig weiterentwickeln wird, ist völlig unklar. Es gibt sehr viele Fragezeichen.
In Umfeld der Ereignisse in Venezuela hat Trump heftig gegen den kolumbianischen Präsidenten Gustavo Petro ausgeteilt. Er hat ihn beleidigt und mit militärischen Maßnahmen gedroht. Danach folgte eine gewisse Entspannung. Im Februar war Petro Gast im Weißen Haus und zwischen den beiden Ländern wurde eine Zusammenarbeit vereinbart, auch wenn die Details der Kooperation weiter unklar sind
Für Kuba dagegen könnten die schlimmsten Erwartungen Realität werden. Es droht die Abschnürung von der Ölzufuhr. Das würde eine extreme Verschärfung der bestehenden schweren Wirtschaftskrise bedeuten.
1 Emma Bubola, Venezuelans Decry Civilian Casualties. nytimes.com, 8.1.2026